Die St. Johannes-Kirche historisch gesehen
Geschichte der Orgel, der Empore und der Gestaltung des Innenraums

Im Jahre 1826, als der Lehrer Heinrich Depken als Schullehrer und Küster in Arsten angestellt werden sollte, wurde er für den Fall, daß die Kirche eine Orgel bekommen würde, zum Organisten ernannt. Es sollte aber noch über zehn Jahre dauern, bis es soweit war, denn die erste Orgel für die Arster Kirche ist erst im Jahre 1837 von Otto Biesterfeldt in Bremen gebaut worden. Sie hatte eine mechanische Traktur, elf Register, zwei Manuale und ein angehängtes Pedal, verfügte über insgesamt 594 Pfeifen und kostete 700,- Reichstaler. Die Empore wurde umgebaut, der Treppenaufgang an der Südseite angelegt. Für diesen Aufgang wurde das linke Südseiten-Fenster um einen halben Meter versetzt - diese Asymmetrie ist bis heute erhalten.
Ein Jahr vorher, also im Jahre 1836 wurde die Seitenempore, der sogenannte Lektor, eingebaut, der die nördliche Hälfte des Innenraumes überdeckte und zusätzlich 125 Sitzplätze brachte, womit insgesamt 450 Plätze in der Kirche vorhanden waren. (Die Kanzel war wesentlich höher als heute, damit der Prediger besser gesehen werden konnte, und hatte zur Verstärkung des gesprochenen Wortes einen Schalldeckel).
Im Jahre 1872 wurde die Biesterfeldt-Orgel dann durch die Firma Rohdenburg in Bremen für ca. 65 Reichstaler überholt. Im Jahre 1882, also nur zehn Jahre später, führte die Firma Götzel in Bremen-Hastedt eine weitere Orgelreparatur durch, und schon 1893 nimmt die Firma Furtwängler und Hammer in Hannover für 220,- Mark weitere Instandsetzungsarbeiten an ihr vor.
Nachdem man dann im Jahre 1899 die Kirche durch den großen Umbau im neugotischen Stil "modernisiert" hatte, schien es angebracht, sich auch von der alten Orgel (die durch die vielen Reparaturen wohl auch nicht besser geworden war) zu trennen, und so kam es schon drei Jahre später (1902) per Beschluß zu einem Orgelneubau. Die neue Orgel wurde von der Firma Furtwängler und Hammer gebaut und wies eine für damalige Zeiten moderne pneumatische Spielmechanik und Registratur mit zwei Manualen und Pedal auf. Sie hatte 12 Register und 685 Pfeifen.
1927 wurde der Innenraum grundlegend verändert, die Seitenempore wurde abgerissen und die Innenwände der Kirche, die ursprünglich einfach weiß getüncht waren, wurden jetzt im romanisierenden Stil durch eine Bremer Kunstschule ausgemalt. Dabei wurden unter der dicken Kalktünche auch alte Malereien freigelegt, die man allerdings wieder übermalte. Das gotische Gestühl und die Barockkanzel wurden dunkel getüncht.
Bei der Restaurierung der Kirche nach dem zweiten Weltkrieg fand eine Reparatur der Orgel durch die Orgelbaufirma Brönstrup (in Hude bei Oldenburg) statt, und 1959/1960 wurde die Orgel dann durch die Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven) so gründlich erneuert, daß dies einem Neubau der Orgel gleichkam. Die Abnahme und Prüfung wurde von Prof. Heintze vorgenommen. Sie hatte seitdem (wieder - Stand bis 2005) eine mechanische Traktur, 16 Register, zwei Manuale, Pedal und 1140 Orgelpfeifen. Die farbliche Gestaltung des Orgelprospektes übernahm der Kirchenmaler Hermann Oetken aus Delmenhorst, während die Form des Orgelprospektes auf Entwürfe des Bildhauers Kurt Lettow in Bremen-Oberneuland zurückgeht. Im gleichen Jahr hat die Firma Führer auch eine Orgel in der Worpsweder Kirche gebaut, die der Arster Orgel sehr ähnlich ist.
Im Jahr 1963 erhielt die Kirche eine Warmwasserheizung, die im Katechesierhaus eingebaut wurde. Damit wurde der Kirchenbesuch endlich auch in der kalten Jahreszeit angenehmer. (Ein Ende des letzten Jahrhunderts aufgestellter Ofen hatte keine wesentliche Besserung gebracht). Im Jahre 1966 erfolgte eine weitere Renovierung unter Pastor Pfannschmidt, bei der die 1927 entdeckten Wandmalereien "endgültig freigelegt und wieder sichtbar gemacht" wurden. Die Kirche erhielt ihr heutiges Aussehen mit einheitlich weiß getünchten Wänden. Bei dieser Grundüberholung wurden auch die alten Kirchenbänke entfernt, weil sie angeblich stark vom Holzwurm zerstört waren. Leider ersetzte man dabei (auf besonderen Wunsch von Pastor Pfannschmidt) auch die wunderschöne große Orgelempore durch eine winzige "moderne" Betonkonstruktion, für deren Zugang hinter der Orgel eine Tür in das Mauerwerk des Turmes gebrochen wurde. Nach neunmonatiger Renovierung konnte die Kirche im Januar 1967 von Pastor Pfannschmidt eingeweiht werden.
Im Jahr 1973 wurde die Orgel auf Initiative des damaligen Kirchenmusikers Wolfgang Mielke umgebaut: Die Quinte im Hauptwerk wurde zur Sesquialtera erweitert, und die Rauschpfeife des Pedals machte einem Fagott 16' Platz.
Schon 1995 wurde bei einer weiteren Renovierung der Kirche die kleine Orgelempore wieder durch eine große Empore ersetzt. Sie bietet bei Gottesdiensten zu besonderen Anlässen weitere Sitzplätze, und der Chor kann von oben mit Begleitung der Orgel singen. Die Wand-Malerei wurde ebenfalls erneuert und durch neue Ornamente, die der Restaurator unter den Farbschichten fand, ergänzt.
Noch ein Wort zur Orgel: Sie hat nach der im Jahre 2003 von Carola Mühlenweg angedachten und 2004 initiierten Renovierung und Erweiterung (die im Jahre 2006 stattgefunden hat) zwei Register mehr und überzeugt nun mit einem erheblich verbesserten Klang. (Siehe dazu auch die genaue Auflistung)