Die St. Johannes-Kirche historisch gesehen
  Turm und Kirchenschiff

Die Arster Kirche ist eine der ältesten im Bremer Landgebiet und stammt vermutlich aus der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts. Urkundlich erwähnt wird sie allerdings erstmals 1325. Sie wurde aus Ziegelsteinen erbaut und ist heute die einzige erhaltene Backstein-Kirche mit romanischem Gewölbe. Die ungewöhnliche Stärke der Turmmauern (1,7 Meter) zeigt die Bedeutung der Kirche als Wehrbau in kriegerischen Zeiten. Vielleicht sah der Wehrturm früher so aus, bevor er dann später als Grundstock für den heutigen Kirchturm genommen wurde.

Grundriß

Kirchenschiff und Turm haben sich im Laufe der Jahrhunderte verändert, aber das älteste erhaltene Bild der Arster Kirche (ca. 1850) zeigt, bis auf die Fenster, schon fast die heutige Form. Hier noch ein Bild von 1873.
Der Turm trägt die Jahreszahl 1691, die damit auf die Umbauten an den oberen Geschossen hinweist. Er hat damals vermutlich seine heutige Form erhalten: Das bestehende Viereck als Grundriß, das im Bereich des Turm-Dachstuhls in ein Achteck übergeht und mit einem Erker versehen ist, in dem sich die Uhr befindet. Das Dach wurde mit Sandstein-Platten aus dem Solling eingedeckt, was eine weitere Besonderheit der Arster Kirche darstellt. An der linken Turmseite ist noch der Rest der damaligen Blitzschutzanlage erhalten und an der rechten Seite finden wir einen eisernen Ring an dem früher ein Halseisen befestigt war (Pranger). Die Glocken haben ihren Platz direkt unterhalb des Turmhelms und ein Stockwerk unter den Glocken befindet sich das alte mechanische Pendeluhrwerk von 1927, bei dem der Küster regelmäßig mit einer Kurbel zwei schwere Gewichte in die Höhe kurbeln mußte, welche für den Antrieb sorgten. Heute wird die Uhr elektrisch angetrieben.
Der Innenraum der Kirche wird durch die noch vorhandenen Gewölbe bestimmt. Es sind die letzten in den mittelalterlichen Kirchen des ehemaligen Bremer Landgebietes. Im Altarraum, dem sogenannten Chor, befindet sich ein kleineres Kreuzrippengewölbe, im Kirchenschiff dagegen sind es, wie auf der Zeichnung dargestellt, zwei große Kreuzrippengewölbe.

Der schwere Dachstuhl und der Schub der gewaltigen Gewölbe verbunden mit dem sorglosen Umgang bei Arbeiten an den Außenmauern (so wurde zum Beispiel kurzerhand eines der alten Fenster um etwa einen halben Meter versetzt in das Mauerwerk gebrochen, um Platz für einen Emporenaufgang zu schaffen), erforderte schon um 1820 eine Abstützung dieser Mauern durch Notpfeiler. Erst bei der großen Restaurierung der Kirche im Jahre 1899 wurden die schrägen Notpfeiler durch die heute noch vorhandenen Strebepfeiler ersetzt und die Fenster und Innenbögen in neugotischem Stil umgebaut. Nach heutigem Kenntnisstand kann man diese gerade mal etwas mehr als hundert Jahre zurückliegende „Modernisierung" nur bedauern. Auf älteren Bildern läßt sich noch gut erkennen, daß die Arster Kirche ursprünglich Rundbogenfenster hatte, wie sie auch dem romanischen Stil entsprechen. Im Innern ist hinter der Orgel noch ein großer Rundbogen des Mauerwerks erhalten geblieben, wahrscheinlich hat man sich dort die neugotische Spitzbogenveränderung gespart, weil man den Bogen vom Kirchenschiff aus nicht sieht. Ohne diese "modische" Veränderung sähe der Kirchenraum heute wahrscheinlich so aus.
Eine weitere Veränderung an den Gewölben war nach dem Ende des 2. Weltkriegs (April 1945) nötig, denn die Arster Kirche hatte schwere Bombenschäden erlitten. Das Dach war zerstört, der Turm hatte ein großes Loch und die Kirchenfenster waren zerbrochen, aber die Glocke ließ sich noch von Hand läuten. Die schweren Gewölbe hatten allen Kriegstreffern getrotzt und hielten auch die Außenmauern zusammen, aber es war Eile geboten. Bis Gelder zur Verfügung standen dauerte es über ein Jahr: Am 21. August 1946 wurde dann die Firma Carl Brandt, Hoch- u. Tiefbau in Bremen beauftragt, das zerstörte Kirchendach abzutragen und den kleinen Türanbau an der Südseite der Kirche abzubrechen, das große Bombenloch im Turm über der Tür zu beseitigen und ein kleines Fenster im Erdgeschoß in die Südseite des Turmes zu brechen. Weiter sollte die Firma Risse und Schadstellen an den Gewölben und Gesimsen mit Torkretbeton ausfüllen und sie nach außen mit wasserdichtem Zementbeton verputzen. Als vorläufigen Schutz gegen die Witterung sollten die Gewölbe mit einem schwarzen Gudronanstrich versehen werden. Ebenfalls wurde die Firma beauftragt, zur Aufnahme der Schubkräfte des Daches sowie der Gewölbe, einen „Ringanker" aus Eisenbeton in Höhe der Traufe mit Zugbändern über den drei Gurtbögen und in fester Verankerung mit dem Mauerwerk anzubringen. Am Sonntag Reminiscere, den 22. Februar 1948 konnte die Kirche wieder benutzt werden, obwohl ihre Wiederherstellung noch lange nicht abgeschlossen war. Es fehlte noch immer das Dach. Wer damals die drei schwarzen Kuppeln sah, wurde sicher an die Kuppelbauten mohammedanischer Moscheen erinnert. Erst am 7. Dezember 1949 wurde das Richtfest gefeiert und kurz darauf das Dach gedeckt.
Die heutigen Kirchenfenster des Altarraumes wurden 1951 von dem Delmenhorster Kirchenmaler Hermann Oetken in Überlingen am Bodensee angefertigt.
Aus dem gleichen Jahr stammt die Tafel mit der Luther-Rose, die früher im Kirchraum und heute im ersten Stock des Turmes hängt. Erst am 15. Mai 1955 bekam die Kirche ihr aus Stein gehauenes Taufbecken, bis dahin hatte man bei Taufgottesdiensten einfach eine Messingschale auf den Altar gestellt. (Im Jahr 1765 erwähnt der damalige Pastor Luce einen alten Taufstein im Turm, der vorher in der Kirche gestanden haben soll.) Ende 1958 wurde das Arster Gemeindehaus gebaut und als man 1966 bei der Renovierung (Abriss der Empore) zwischen den Fußbodenplatten der Kirche noch eine katholische Grabplatte entdeckte, wurde diese kurzerhand in den Garten hinter das Trinitatishaus geschafft und dort als Tischplatte auf zwei Steinsockel gelegt. Diese Arster "Gartentischplatte" liegt heute als Altarplatte in der Simon-Petrus-Kirche Habenhausen ...