Erklärung des mittleren Fensters

"Kreuzigung Jesu Christi". Nach den Passionsberichten der Evangelien (Passion) wurde Jesus auf römische Art gekreuzigt (Kreuzigung). Am Kreuz wurde eine Tafel mit dem Schuldvorwurf angebracht (I.N.R.I.; Jesus Christus). In der bildenden Kunst ist die Kreuzigung Jesu Christi das zentrale Thema der christlichen Ikonographie und die wichtigste Darstellung innerhalb der Passion. Früheste Beispiele (5.Jahrhundert) zeigen Christus zwischen den beiden Schächern, dann meist zwischen Maria und Johannes, auch mit Longinus und Stephaton, seit der karolingischen Zeit mit der Ecclesia und Synagoge. Auffällig ist, dass in Darstellungen der Kreuzigung Jesu Christi in den ersten sechs Jahrhunderten Christus lebend mit offenen Augen am Kreuz erscheint (als Ausdruck der Überwindung des Todes). Später wurde der tote oder sterbende Christus mit Dornenkrone und in qualvollem Leiden stärker betont. Die meisten frühmittelalterlichen Fassungen sind Werke der Malerei oder der Kleinplastik (Elfenbeinreliefs). Große Bildwerke entstanden in ottonischer Zeit in Deutschland (Gero-Kruzifix, Kölner Dom), auch als Triumphkreuze auf den Triumphbalken oder der Lettnerschranke zwischen Chor und Langhaus des Kirchenraumes (u.a. Halberstadt, Dom, 2.Viertel des 13. Jahrhunderts). Sehr verbreitet waren seit dem Spätmittelalter volkreiche Kreuzigungsdarstellungen, die das Geschehen auf dem Kalvarienberg (Golgatha) schildern. Im 19.Jahrhundert wurde auf ikonographische Vorbilder älterer Epochen zurückgegriffen.